Portrait VALIE EXPORT: Foto © Hertha Hurnaus, 2009

Der Blick des Blickes - Beobachtungen (Arbeitstitel)  2004,
Idee Milwaukee, Wisconsin , April 1992
Projekt

Ein Fernrohr auf einem Stativ steht in der Mitte eines Ausstellungsraumes.
Mittels einer Videokamera, die in das Fernrohr eingebaut ist,  werden die Augen, das reale Bild  der Augen einer Person, die durch das Fernrohr blickt aufgenommen, und auf einem Bildschirm, auf einer Mini - Video Screen, die im Fernrohr statt der Linse eingebaut ist,  gezeigt.  Im Mini - , Monitor erscheint das Bild der Augen der Person,  von der Kamera aufgenommen.  Der  erste Kontakt einer Person mit dem Apparat der Aufnahme und Wiedergabe, mit der Videokamera. Die Videokamera als Membran, das digitale Bild steht für die Optik, für die Linse des Fernrohres.

Der Beobachter, die Beobachterin sieht die eigenen Augen auf  einer Screen und beginnt die Augen zu „beobachten", d.h. die Auge, der Augapfel, wird sich bewegen in der Beobachtung, wenn auch leicht, vielleicht auch fast unmerklich oder auch heftig, um den Blick des Auges zu „fangen", zu erfassen, zu fassen, nicht zu verlieren.  Jedoch durch die Bewegung des Auges wird das mediale Bild des Auges, also der mediale Blick auf das Auge selbst verändert, bis das Medien-Bild sich auflöst oder der Betrachter, die Betrachterin den Beobachtungspunkt verläßt.


Es geht bei meiner Arbeit um das Sehen, um den Blick, den Blick auf sich selbst gerichtet, und den Blick durch sich selbst kreiert, und die Veränderung des Blickes, die durch den eigenen Blick hervorgerufen wird. Es ist der Blick über / von sich selbst und die Veränderung des Sehens und auch des Bildes des Sehens. Das Voyeuristische,  das Beobachtende des Blickes soll gezeigt werden, der eigene Blick beobachtet sich selbst und reagiert auf die Beobachtung. Die Selbstbeobachtung zeigt sich durch die Selbst-Darstellung des Blickes.

Die Veränderung des Auges, des Augapfels ruft die Generierung eines Textbildes hervor, der sich dem Auge zum Lesen anbietet. Durch die Bewegung des Augapfels wird der Text immer deutlicher zu lesen sein. Abgelenkt von sich selbst, wird der Text in seiner Bedeutung präsent und verdrängt die Selbstreflexion.
Durch das erscheinen des Textes verstärkt sich die Irritation und es stellt sich die Frage wo ist der Orts des Sehens ? In der Beobachtung, in der Wahrnehmung, in der Beobachtung der Wahrnehmung oder in den Prozessen, die das Auge, die Augen dem Gehirn „erzählen" oder die sich in der inneren Wahrnehmung durch Erfahrungen verdeutlichen?

Wird das Bild-Auge verändert, entsteht natürlich eine andere Konnotation. Bewegt sich der Augapfel wenig, heißt das vielleicht, daß die Person den eigenen Blick nicht verändert, um ihn nicht zu verlieren, um die „Selbst-Kommunikation" nicht zu verlieren. Oder die Person verändert den Blick so schnell  durch Augenbewegung, dann geht das Bild des Auges  verloren.

Die Präsentation für die BesucherInnen  der Ausstellung erfolgt auf einer Projektionsscheibe. Das Bild zeigt das erste Bild der Augen ohne Blickveränderung  als loop und wird von den sich verändernden Bilder der Augen  überlagert.

Der Akteur, die Akteurin der /die durch das Fernrohr blickt sieht jedoch das projizierte Bild im Ausstellungsraum nicht selbst, nur die BesucherInnen  sehen diese  bewegten Bilder, können aber auch den Text mitlesen. Die Präsentation beider Augen - Blicke, der  gleich bleibende Blick und der sich verändernde Blick der ein Textfeld hervorruft, erschwert die Identifikation mit dem Blickgeschehen. Ein Augenpaar beobachtet ohne sich zu verändern die Veränderung des zweiten sich  selbst beobachtenden Augenpaares.


Ich sehe diese Arbeit im Kontext meiner bisherigen Arbeiten, die sich sehr oft mit dem „Medien-Blick", mit dem „medialen Blick" beschäftigen und mit Abbildungsformen der Blickwahrnehmungen.
Die Arbeit thematisiert die Auseinandersetzung und Differenzierung mit „realer Wirklichkeit" innerhalb des Triangels Wahrnehmung - Beobachtung (Veränderung)  - Darstellung.


Satz:
Die bezeichnete Sache wird Zeichen, indem es eine unbekannte Seite wie einen verborgenen Inhalt enthüllt.
(Zugleich ist das bezeichnende Wort das, indem es die eigentliche Macht enthüllt, gesehen, (nicht gelesen) wird.)  Hier habe ich den Text nicht mehr vollständig ist mir verloren gegangen


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